Gemeinschaften von Bokuralä


Antark trat leise einen Schritt nach vorne. Jetzt bloß keinen Laut von sich geben. Hinter ihm raschelte etwas. Vor Schreck wäre er beinahe gestolpert. Der Angstschweiß brannte in seinen Augen wie Feuer. Das Pochen seiner Ohren machte ihn halb taub. Dann, wie aus heiterem Himmel, stand es vor ihm. Es sah aus wie ein riesiger Bär. Über drei Meter ragte es empor. Eine Stimme in ihm schrie: Renn! Renn so schnell du kannst! Aber seine Beine versagten ihm den Dienst. Zitternd stand er vor der Bestie. Und für einen Augenblick schien die Welt ihren Atem an zu halten. Dann ein Schrei. Das Biest dreht sich um. In dem Moment wurde Antark in einen Busch gerissen. Schwarz. Nach und nach bildeten sich die Umrisse eines Gesichtes heraus. Im Hintergrund waren die Todesschreie des Biestes zu hören. Er erkannte das Gesicht eines Mädchens. Ein Mädchen? Hier? Einen Augenschlag später war sie wie vom Erdboden verschluckt. Noch immer starrte Antark auf die Stelle, wo er das Mädchen zu sehen geglaubt hatte. Es konnte nur eine Illusion gewesen sein. Aber was hatte ihn dann gerettet? Nur eines wusste er: das wunderschöne Gesicht des Mädchens würde er so schnell nicht vergessen.

Nur wenige Menschen trauen sich in die Finsternis der Wälder von Bokuralä, die voll sind von Dämonen und anderen unheimlichen Bewohnern. Die wenigen Humani, die dort leben werden oft als Dunkeljäger bezeichnet. Aber hier leben vor allem die Schwarzelben. Dieses Volk ist gut gegen die Wesen der Wälder gewappnet.

Flora und Fauna

Der größte Teil von Bokuralä besteht aus einem uralten, zusammenhängenden Wald, auf dessen untere Stockwerke nur wenig Licht scheint. Dort ist es stets kühl und feucht und die Bewohner sind nur wenig freundlich. Ein ständiger Überlebenskampf hat die Tiere zu gefährlichen Zeitgenossen gemacht. In der Täla am Boden leben Riesenspinnen, gigantische bärenartige Biester und Aaselefanten. Und die Sebana, das darüber liegende Stockwerk, ist kaum besser. Riesige Würgeschlangen und -lianen sowie Ätzfrösche haben hier ihr Revier. Die Elbendörfer finden sich daher noch ein Stockwerk höher in der Hetäla. Zwar leben auch in dieser Region gefährliche Tiere, allen voran die Talamücken und Pfeilgiftfische, aber gegen die Wesen der unteren Stockwerke sind diese noch harmlos. Die Gatana und die Fäla bilden das Dach der Wälder von Bokuralä. Hier leben vor allem viele Luftfische und Schwebkräuter.

Administrative Gliederung

Jede Gemeinschaft (Bäka) gehört zu einer der 44 Hochgemeinschaft (Hanabäka). Die Tämagä (Königinnen) aus den Hochgemeinschaften, die Hanatämagä bilden zusammen den Königinnenrat, der das Land regiert. Ansonsten können die Bäkä recht unabhängig voneinander agieren.

Politik und Gesellschaft

An der Basis der Gesellschaft Bokuraläs stehen die Gemeinschaften. Diese Ortschaften verstecken sich in den Bäumen und werden jeweils von einer Königin regiert.

Über den Gemeinschaften, die alle ihre jeweils eigenen Gesetze haben, steht nur der Königinnenrat. Dieser ist hauptsächlich dafür zuständig, Streitigkeiten zwischen den Gemeinschaften zu lösen und hat sonst kaum Möglichkeiten tatsächlich in die Gemeinschaften einzugreifen. Menschen, die außerhalb der Gemeinschaften leben, sind dagegen immer dem Rat unterstellt, was vor allem Humani und Dvargiin betrifft, die in den Randregionen leben.
Den Stämmen kommt nur eine geringe Bedeutung zu und sind mehr von ideellem Wert.

Jede Gemeinschaft hat ihre eigenen Gesetze über denen nur die jeweiligen Stammesgesetze stehen. Diese sind jedoch sehr allgemein gefasst und können als eine Art Verfassung gesehen werden. Jeder Einwohner hat das Recht, überall nach seinem Gesetz verurteilt zu werden, weshalb die Richter die Gesetze sämtlicher Gemeinschaften kennen müssen. Gibt es Probleme bei der Urteilsfindung, wird der Gefangene seiner eigenen Gemeinschaft übergeben.
Bei Streitigkeiten zwischen zwei Gemeinschaften tritt der Königinnenrat zusammen und bildet oft ein Schlichtungskomitee. Die Möglichkeit, einen Streit militärisch beizulegen, ist in der Geschichte Bokuralä noch nie zum Einsatz gekommen.

Völker und Kultur

An den Randgebieten leben einige, oft gesetzlose Humani und Dvargiin. Die inneren Wälder sind jedoch nur Elben vorbehalten. Die Tobotabishiki, wie sich das dort lebende Volk nennt, bilden eine sehr homogene Kultur mit einer gemeinsamen Sprache, dem Bokucamisè.
Offiziell gibt es drei Randgemeinschaften (Balöbäkä), in denen zwischen den Elben auch Humani leben, allerdings ist ihnen jede Art von eigener Kultur und Sprache untersagt. Trotzdem sprechen gerade unter den Humani viele das Balboku. Eine Kreolsprache, die sich aus dem Bokucamisè heraus entwickelt hat.
Auch die Kultur der Elben in diesen Randgemeinschaften weist einige Besonderheiten gegenüber den anderen Tobotabishiki auf. So besteht ihre Kleidung oft aus leinenen Tuniken und bunt gefärbten Überwürfen, ganz im Gegenteil zu den braunen bis schwarzen Mannsblattkleidern der anderen Bokuraläer.