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1. Lautbildung (Konsonanten)


Artikulationsorte

In dem oben angegebenen Bild ist ein Querschnitt eines menschlichen Schädels zu sehen. Die Zahlen bezeichnen verschiedene Artikulationsorte, also Orte, an denen die Laute gebildet werden. Daneben wird noch die Artikulationsart gebraucht um einen Laut zu klassifizieren. Als Beispiel nehme ich einmal 't' und 's', die beide (in der deutschen Sprache) am Zahndamm (4) gebildet werden, aber eben auf eine unterschiedliche Art, worauf ich aber nachher noch einmal zurück komme.
Wichtig ist auch, ob ein Laut stimmhaft oder stimmlos ist. Das bedeutet, ob die Stimmlippen (11) vibrieren oder nicht. Das kann man spüren, wenn man etwa das Wort 'singen' ausspricht, bei dem alle Laute stimmhaft sind, während man sich am Kehlkopf berührt.
Damit haben wir drei Merkmale, mit denen man fast jeden Konsonanten bezeichnen kann (auf die Ausnahmen komme ich später zu sprechen).

Artikulationsorte
Bei der Zunge sind drei Artikulationsstellen von Bedeutung: Zungenspitze/Apex (17), Zungenblatt/Lamina (16) und Zungenrücken/Dorsum (14/15). Diese drei Stellen sind gesondert zu betrachten, da der Zunge eine besondere Bedeutung bei der Lautbildung zukommt.
Zu den anderen Orten hier eine kleine Tabelle (für eine vollständige Auflistung lohnt es sich, mal in der Wikipedia nachzusehen):
- Lippen (bilabial = beide Lippen, wie bei 'b')
- Zähne (dental = mit den Zähnen, wie bei englisch 'th'; labiodental = mit Unterlippe und oberen Zähnen, wie bei 'f'; denkbar wäre auch dentolabial, mit Oberlippe und unteren Zähnen)
- Zahndamm/Alveolen (alveolar; postalveolar (5) = hinter dem Zahndamm)
- harter Gaumen / Palatum (palatal (7); präpalatal (6) = vorne am Gaumen)
- weicher Gaumen / Velum (8)
- Zäpfchen/Uvula (9)
- Rachen/Pharynx (10)
- Kehlkopf/Larynx (bei 11)
- Stimmritze/Glottis (11)
Eine noch zu nennene Besonderheit sind retroflexe Laute. "[Bei] seiner Bildung wird die Zungenspitze oder das Zungenblatt hinter den Zahndamm gelegt. Die Zunge biegt sich nach oben zurück" (Wikipedia) (retroflex)

Artikulationsarten (pulmonal, also mit Luft, die aus der Lunge kommt)
- Plosive: Laute, die mit einem Knall erzeugt werden, wie 'p' und 'b'
- Nasale: Laute, bei denen die Luft nicht durch den Mund, sondern durch den Nasenraum entweicht.
- Trills: Laute, die durch Vibration am Artikulationsort entstehen
- Flaps: Laute, die wie Trills erzeugt werden, jedoch mit nur einem Anschlag
- Frikative: Laute, bei denen die Luft durch eine Engstelle entweicht (z. B. bei 'f')
- Approximanten: Laute, bei denen der Luftstrom nur schwach behindert wird (z. B. bei englisch 'w')

weitere Konsonanten
Es gibt noch drei weitere Arten von Lauten, die nicht in das obige Schema passen: Klicks, Implosive und Ejektive.
Klicks, auch Schnalzlaute genannt entstehen, wie der Name schon sagt, durch ein Schnalzen (in den meisten Fällen mit der Zunge). Dabei wird ein ingressiver (also von außen kommender) Luftstrom erzeugt, der durch eine Implosion gelöst wird, womit sie den Implosiven recht ähnlich sind. Der Unterschied besteht darin, dass bei den Implosiven kein Schnalzlaut entsteht. (Wie man sieht blick ich da selbst noch nicht so gut durch, also wenn das jemand verständlich erklären kann, wäre ich dafür sehr dankbar.)

Außerdem könnte man in eine eigene Sprache auch noch Pfeiflaute einbauen, was in dieser Art in keiner irdischen lebenden Sprache existiert, es sei denn man nimmt die Sprachen, die nur aus Pfeiflauten und keinen anderen bestehen.

Aufgaben

1. Wenn du eine Sprache für ein nicht menschliches Wesen erschaffen willst, dann überleg dir, ob der Sprechtrakt auch anders aussieht und somit andere Laute gebildet werden können und andere Laute nicht mehr möglich sind. Teste es vielleicht auch selbst aus, indem du dein Sprechen in irgendeiner Art behinderst und dann versuchst bestimmte Laute zu erzeugen.

2. Teste aus, wie welche Konsonanten klingen und überlege dir, welche du in deine Sprache aufnehmen willst.

Als Vorübung (Lösungen bitte per PM schicken):
3. Überlege, was der Unterschied zwischen Konsonanten und Vokalen ist und was eigentlich Vokale sind. Für diese Aufgabe solltest du nicht nachschlagen, sondern dir selbst gedanken machen.

Exkurs: Sprachen der Erde


2. Lautbildung (Vokale)

Bei den Konsonanten haben wir im Prinzip eine schöne Einteilung der Laute, wodurch sie einfach zu bestimmen und zu beschreiben sind. Bei Vokalen sieht die Sache jedoch etwas anders aus. Man muss sich nur zwei Vokale herauspicken und zuerst den einen aussprechen und dabei den Mund allmählich so formen, dass der zweite Laut entsteht. Man stellt dabei fest, dass sich zwischen den beiden Vokalen unendlich viele Zwischenstufen befinden. Dadurch gibt es unendlich viele Möglichkeiten, einen Vokal zu bilden.
Um sie dennoch erfassen und benennen zu können, wurde das Vokalviereck erfunden. Dabei werden zwei Eigenschaften von Vokalen berücksichtigt: Der Mund kann offen sein (wie bei a) oder geschlossen (wie bei i) und die Zunge kann vorne sein (wie bei e) oder hinten (wie bei o).

Im folgenden Viereck stehen jeweils Ideallaute, die so nur selten in lebenden Sprachen vorkommen, dabei stehen links die Vorderzungenvokale und rechts die Hinterzungenvokale; oben stehen die geschlossenen und unten die offenen (die Beispielwörter sind Wörter, die diesen Lauten möglichst nahe kommen, was im Deutschen jedoch bei ganz offenen Vokalen Probleme bereitet):

ihn tun
|.....|.....|
tee ohne
|.....|.....|
senf oft
|.....|.....|
(a) an (a)

(Anm.: Leider ist das Viereck ein wenig gestaucht. Wenn ich Zeit habe, werde ich ein anständiges Bild hier einsetzen.)

das Vorderzungen-a kommt in nördlichen Dialekten, wie bei den Hamburgern vor, während das Hinterzungen-a in Bayern und Österreich bekannt ist.

Was noch fehlt ist eine weitere Eigenschaft von Vokalen. Diese können nämlich mit gerundeten (ü) oder ungerundeten (i) Lippen ausgesprochen werden. Vor allem in europäischen Sprachen ist es weit verbreitet, dass die Vorderzungenvokale ungerundet und die Hinterzungenvokale gerundet ausgesprochen werden.
Wir bräuchten also eigentlich noch eine dritte Dimension, um alle Laute in einem solchen Diagramm darstellen zu können.

Ein ganz besonderer Laut, der unbedingt erwähnt werden muss, ist das Schwa. Der einzige Laut, der in allen Sprachen vorkommt und auch als Neutralvokal bezeichnet wird. Im Vokalviereck steht es genau in der Mitte und kommt in den indogermanischen Sprachen nur in unbetonten Silben vor. Beispiele: Mitte, essen

Zusätzlich zu den Einzelvokalen kann es aber auch Diphtonge geben. Dabei handelt es sich um Vokalbewegungen, das heißt man fängt mit einem Laut an und bewegt sich auf einen anderen Vokal zu. Diphtonge sind generell zwischen allen Einzelvokalen denkbar. Deutsch wären beispielsweise au oder eu und Spanisch ue oder ie.

In einer Sprache können Häufigkeit und Anzahl variieren. Während Deutsch mit 15 oder 16 Einzelvokalen und 3 Diphtongen sehr viele Vokale hat, hat Spanisch gerade einmal 6 (wenn ich mich nicht verzählt hab). Natürlich gibt es auch Sprachen mit noch mehr Vokalen, aber mir fällt gerade kein Beispiel ein.
Sprachen, die nur eine geringe Häufigkeit an Vokalen aufweisen sind zum Beispiel die slavischen Sprachen, wo es teilweise sogar Wörter gibt, die keinen einzigen Vokal enthalten. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es dagegen eine Südseesprache, in der das Verhältnis zwischen Konsonanten und Vokalen genau umgekehrt ist, es also Wörter gibt, die nur aus Vokalen bestehen.

Aufgaben

1. Überlege, ob die Vokale in deiner Sprache eher
a) vorne, mittig oder hinten
b) offen oder geschlossen
c) gerundet oder ungerundet
sind.

2. Überlege, wie häufig Vokale in etwa in deiner Sprache sind.

Exkurs: r-Laute des Deutschen


Phonologie und Prosodie

Phonologie

Nach dem heutigen Teil dürfte es möglich sein, ein (zumindest vorläufiges) Alphabet zu erstellen.
Zunächst stellt sich die Frage, was eigentlich Phonologie ist.
Da jede Sprache ihre eigenen Regeln hat, wann und wie bestimmte Laute auftauchen, müssen diese auch für jede Sprache einzeln definiert werden. Und genau das ist die Aufgabe der Phonologie. Die Phonologie ist also sprachspezifisch. Das sollte auch bei den folgenden Beispielen bedacht werden, die meist der deutschen Phonologie entnommen sind.
Unten sind die Fachbegriffe aufgeführt, die ich auch in diesem Beitrag verwende. Sollte ich trotzdem ein Wort benutzen, das noch nicht erklärt wurde, dann bitte schreien

Phone haben wir bereits kennen gelernt. Es sind eben jene Laute, die in Sprachen verwendet werden. In einer einzelnen Sprache können verschiedene Phone jedoch bedeutungsgleich sein. Deshalb werden die Lauteinheiten einer Sprache als Phoneme bezeichnet. Ein solches Phonem kann aus einem einzigen Phon oder aus mehreren Allo-phonen bestehen.
Es gibt drei Fälle von Allophonie, die unterschieden werden:
1. Freie Allophone können nach belieben ausgetauscht werden, ohne dass dem Muttersprachler etwas ungewöhnliches auffällt. Dies ist (im Deutschen) beispielsweise bei dem uvularen Trill und dem stimmhaften uvularen Frikativ der Fall, die beide als 'r' verstanden werden. (Uvulum = Zäpfchen)
2. Regionale Allophone sind Teile eines Phonems, das je nach Region unterschiedlich ausgesprochen wird. So ist das vorne gerollte 'r' ein regionales Allophon des am Zäpfchen gebildeten 'r'. Ein anderes regionales Allophon wäre im Spanisch das 'll' das je nach Region unterschiedlich ausgesprochen wird. (Am häufigsten wird es als 'j' oder 'lj' realisiert.)
3. Die komplementären Allophone sind da etwas schwieriger, weil sie nach bestimmten Regeln funktionieren. Im Folgenden werde ich daher immer komplementäre Allophone meinen, wenn ich allgemein von Allophonen spreche.

Da Allophone von ihrer Umgebung abhängen, sehen wir uns zuerst den Aufbau von Silben an. Gerade deutsche Silben stellen dabei ein Problem dar, weil sie recht unterschiedlich aufgebaut sein können.
Was alle Silben haben, ist der Silbenkern, der meistens aus einem Vokal besteht, weshalb man Vokale auch als silbisch bezeichnet. In einigen Sprachen, vor allem in der slavischen Familie, können auch andere Laute silbisch sein. In der eben genannten Familie sind es oft 'l' und 'r'. Aber genausogut wären auch Frikative oder Nasale als silbisch denkbar.
Was in der Regel zum Silbenkern hinzukommt ist das Onset. Deutsche Silben besitzen immer ein Onset, anders als etwa Französisch (vergleiche Hallo auf Deutsch und auf Französisch). Im Onset können keine silbischen Laute stehen. Im deutschen Onset können bis zu zwei Konsonanten stehen (zumindest fällt mir kein Beispiel für eine deutsche Silbe ein, die mehr als zwei Konsonanten hat), während etwa im Polnischen auch einmal drei Konsonanten stehen können (Beispiel <szczeczin> ausgesprochen: Schtschetschin; polnische Bezeichnung für Stettin). Andere Sprachen, wie etwa Japanisch erlauben gerade einmal einen Konsonanten im Onset.
Allerdings kann das noch nicht alles sein, denn damit könnte es keine Silben geben wie etwa <test> geben. Das -st- fällt in diesem Fall in den Koda, also dem Silbenschluss.
Bei <test> haben wir also ein Onset -t-, einen Kern -e- und ein Koda -st-, wobei das Koda im Deutschen auch entfallen kann, und zwar immer dann, wenn sich ein langer Vokal, ein Schwa (Neutralvokal), oder ein r-Schwa (geschrieben <er>) am Ende der Silbe befindet.
Anmerkung: Koda einer vorangehenden Silbe und Onset einer nachfolgenden Silbe können auch zusammenfallen, wie es etwa bei 'Anna' der Fall ist.

Ein Beispiel für eine sehr sprachspezifische Regel ist die Auslautverhärtung, die in nur wenigen Sprachen, darunter auch Deutsch, zu finden ist.
Die Auslautverhärtung besagt, dass im Koda alle stimmhaften Obliganten stimmlos werden. Es gibt also keine stimmhaften Plosive oder Frikative (beides Obliganten) am Ende einer deutschen Silbe (zumindest im Deutschen, in anderen Sprachen gibt es kleine Abweichungen).

Nachdem wir jetzt wissen, wie Silben aufgebaut sind, können wir uns der Funktionsweise der Allophone zuwenden. Allophone sind von ihrer Umgebung abhängig. Ein oft zitiertes Beispiel sind der ach-Laut und der ich-Laut im Deutschen. Am Wortanfang und nach vorderen Vokalen und nach Konsonanten wird der ich-Laut ausgesprochen, ansonsten der ach-Laut. (Das Ganze ist zwar etwas komplizierter, aber für unseren Zweck sollte diese Erklärung reichen.)

Ein weiteres Beispiel für Allophone sind der alveolare Tap (= einfach geschlagener r-Laut, wie in spanisch pero) und das 'l'. Kommt das Phonem im Onset einer Silbe vor, wird der alveolare Tap gesprochen, im Koda dagegen das 'l'.

Genausogut können aber auch Laute einfach weg fallen, wie es zum Beispiel oft beim Schwa passiert. Als Beispiel kann man etwa Katzn anstatt Katzen sagen. Interessant ist dieser Fall übrigens auch, weil wir hier einen Konsonanten haben, der nun in den Silbenkern rutscht und somit silbisch wird.

Allophonie ist oft ein Phänomen, das der Vereinfachung der Aussprache dient. So wäre etwa denkbar dass wir in einem Phonem einen stimmlosen dentalen Frikativ (= englisches th), das nach 't', 'd' und 'n' zu 's' wird. Wir orientieren uns also an den Eigenschaften der einzelnen Laute.

Schwierig wird die Sache bei den Vokalen. Hier haben wir ja schon erfahren, dass es sich hier um ein Kontinuum handelt. Das führt dazu, dass es sprachspezifische Unterteilungen gibt. Eine wichtige Unterteilung in der deutschen Sprache ist die Unterteilung zwischen gespannten und ungespannten Vokalen. Dabei sind ungespannte Vokale immer kurz und gespannte lang. Es handelt sich jedoch nicht um Allophone, was man am Beispiel des Minimalpaares Miete (gespanntes i) und Mitte (ungespanntes i) sehen lässt. Auch wenn man hier orthographisch (Orthographie = Rechtschreibung) einmal t und einmal tt schreibt, unterscheiden sich diese beiden Wörter lautlich nur durch den Vokal.
Wenn wir im Deutschen von vorderen Vokalen sprechen, dann gibt es hier einen kleinen Unterschied zur phonetischen Definition, was sich anhand des angehängten Bildes sehen lässt.

Aufgaben

1. Für das sprachspezifische Alphabet ist es sinnvoll, nicht den einzelnen Phonen, sondern den Phonemen Zeichen zuzuordnen.
a) Mach dir Gedanken über einige Regeln, vielleicht fällt dir ja auch etwas auf, was du intuitiv tust.
b) Stell ein vorläufiges Alphabet auf.

2. Mach dir Gedanken über die Silbenstruktur (oder auch nicht ) und überleg dir ein paar Lautkombinationen, die für deine Sprache typisch klingen.


Prosodie

Die Prosodie (Betonung und Sprachmelodie) will ich nur am Rande behandeln, da es sehr schwer ist, sich in fremde Systeme hineinzudenken und die Beschreibung selbiger recht aufwändig ist.

Zunächst einmal gibt es bei Wörtern die Möglichkeit, dass sie eine Tonhöhenbetonung oder eine Druckakzentbetonung besitzen. Was bedeutet das? Jeder variiert die Tonhöhe eines Wortes bewusst, wenn er singt. In einigen Sprachen (ok, in den meisten Sprachen), wird eine Wortbetonung gesetzt, indem die Tonhöhe verändert wird. Dies kann grundsätzlich auf zwei verschiedene Weisen geschehen.
Entweder, die Sprache verfügt über Tonstufen, wie sie in den meisten afrikanischen Sprachen zu finden sind. Bei Sprachen mit zwei Tonstufen ist das noch relativ einfach, aber es gibt durchaus auch Sprachen mit drei, vier oder sogar fünf Tonstufen.
Oder die Sprache funktioniert über Tonveränderung, wie etwa bei Chinesisch. Ein gern gezeigtes Beispiel ist das Wörtchen 'ma'. das im Mandarin (verbreitetste chinesische Sprache) vier bedeutungen haben kann, darunter auch die Bedeutungen Frau und Pferd. Um das deutlich zu machen, werden gerne diakritische Zeichen verwendet. Zum beispiel bedeutet má, dass der Ton während der Silbe ansteigt.
Was in den indogermanischen Sprachen jedoch vorkommt, ist der Druckakzent. Zum Glück sprechen wir selbst eine solche Sprache, da ich sonst Schwierigkeiten hätte, das zu erklären...

Außer der Wortbetonung gibt es natürlich auch die Satzmelodie. In der deutschen Sprache ist sie sehr wichtig, da sie das wichtigste Kriterium ist, um Fragesätze, Aussagesätze und Ausrufesätze zu unterscheiden. Zum Beispiel geht die Stimme nach oben, wenn man eine Frage stellt. Dies muss übrigens nicht zwingend in jeder Sprache der Fall sein und es gibt vor allem im afrikanischen und asiatischen Raum sehr viele Beispiele, wo die Satzmelodie anders funktioniert.


Kleines Wörterbuch

Allophon - Laut eines Phonems
Frikativ - Reibelaut, dazu zählen zum Beispiel 's' und 'sch'
Koda - Silbenabschluss, wenn der Silbenkern nicht am Ende steht
Liquid - Laut mit seitlichem Luftausstoß, in der deutschen Sprache gibt es nur das 'l'
Minimalpaar - Wortpaar, das sich nur durch ein Phonem unterscheidet
Nasal(konsonant) - Konsonant mit einem Komplettverschluss im Mund und Luftausstoß aus der Nase, dazu zählen 'm' und 'n'
Nasalvokal - Vokal, bei dem auch Luft aus der Nase strömt
Obligant - Gruppe von Konsonanten zu denen Plosive und Frikative zählen
Onset - Beginn einer Silbe, wenn sie nicht mit dem Silbenkern beginnt
Phon - Fachbegriff für Laut
Phonem - Ansammlung von Lauten mit gleicher Funktion
Plosiv - Laut, der durch eine plötzliche Öffnung eines Komplettverschlusses im Mund entsteht, dazu zählen zum Beispiel 'p' 'b' und 'k'
Sonorant - Gruppe von Konsonanten zu denen Trills und Liquide zählen
Trill - Laut der durch Vibration entsteht, der spanische, italienische und der polnische r-Laut sind Trills, die am Zahndamm gebildet werden

Ein kleiner Überblick

Man unterscheidet in der Sprachwissenschaft zwischen vier verschiedene Typen von Sprachen: isolierende, agglutinierende, flektierende und polysynthetische (sorry, für die Fachwörter). Wichtig dabei ist allerdings, dass es sich um eine theoretische Unterteilung handelt und sie bei natürlichen Sprachen niemals "rein" vorkommen. Das heißt, jede Sprache hat Elemente von mindestens zwei der genannten Typen.

Isolierende Sprachen erscheinen zunächsteinmal sehr einfach, denn man muss sich nicht mit irgendwelchen Endungen herumschlagen, denn es gibt keine. Dennoch ist es gar nicht so einfach, weil man sich überlegen muss, wie das ausgedrückt werden kann, was man sonst mit Endungen ausdrückt. Dafür kann man dann auf Partikel, also einzelne Wörter, den Satzbau oder die Betonung zurückgreifen. In manchen Situationen hat auch das Deutsche einen isolierenden Status:
'Peter schlägt Susi.' vs. 'Susi schlägt Peter.' vs. 'Schlägt Peter Susi?'
Wir haben hier verschiedene Aussagen, die alle eine unterschiedliche Bedeutung haben und zwar ohne irgendwelche Endungen ändern zu müssen. Ein Gegenbeispiel wäre, wenn wir Pronomen einsetzen:
'Er schlägt ihn.' vs. 'Ihn schlägt er.'
Das einzige was sich hier ändert ist die Betonung, aber nicht die grundsätzliche Bedeutung.

Agglutinierende Sprachen zeichnen sich durch eine angenehme Regelmäßigkeit aus. Es gilt nämlich "eine Endung, eine Bedeutung". Interessant ist dabei, dass die Wörter mitunter sehr lang werden können, weil mehrere Endungen hintereinander gesetzt werden (müssen).
Im Deutschen ist die Vergangenheitsform von Verben teilweise agglutinierend:
er sag-t-e
sie sag-t-en
Das 't' hat nur die Bedeutung "Vergangenheit", sonst nichts.

Flektierende Sprachen verkürzen dagegen gerne, indem sie mehrere Bedeutungen in eine Endung setzen.
des Haus-es
Das 'es' trägt drei Bedeutungen in sich: Anzahl (Einzahl), Genus* (sächlich) und Fall (Genitiv).

Polysynthetische Sprachen sind ganz seltsam. Sie können mehrere lexikalische* Bedeutungen in ein Wort fassen, was vor allem Dinge angeht, die in anderen Sprachen durch Adverbien ausgedrückt werden. Eine synthetische Einheit im Deutschen ist die Vorsilbe auf- bei Verben:
auftauchen, aufsehen, aufgehen, aufmachen, aufdrücken.
Das 'auf' verändert das Verb in seiner Bedeutung so, wie es auch durch Adverbien verändert werden kann:
hinauf sehen, hinauf gehen, offen machen, offen drücken.
Wie in dem Beispiel zu sehen, kann 'auf' unterschiedliche Bedeutungen innehaben, was natürlich auf für andere entsprechenden Einheiten gilt.
Dennoch ist dieses Beispiel für Polysynthese nur bedingt geeignet, denn es handelt sich eben um eine einfache Synthese und nicht um eine Polysynthese. Poly- bedeutet viel.
Nehmen wir einmal die Eskimo-Sprachen, die typische polysynthetische Sprachen darstellen. Sie haben vier bis sechs Wörter (je nach Sprache) für den Überbegriff 'Schnee', können dieses Kontingent jedoch deutlich erweitern, indem sie "neue" Wörter aus den alten "synthetisieren". So kann man von "Schnee der auf einen roten Pullover fällt" sprechen, indem man nur ein Wort verwendet.

Exkurs 1: Sprachliche Entwicklung

Sprachen entwickeln sich und sie können vom einen Typ zum anderen Wechseln. Die polysynthetischen Sprachen lasse ich hier ersteinmal außen vor.
Dazu ein paar Beispiele mit fiktiven Sprachkombinationen:
1. isolierend -> agglutinierend
megiti kogu (Haus viele) -> megiti-ko (Haus-viele)
2. agglutinierend -> flektierend
megi-ro-ko (Haus-Akkusativ-viele) -> megi-rok (Haus- Akkusativ/viele) [Mehrzahl und Fall können nicht mehr getrennt werden]
3. flektierend -> isolierend
megi-ro (Akkusativ/singular) -> to megi-ro (Akkusativ Haus-singular) [die Endung verliert Bedeutung oder verschwindet ganz]

Die Beispiele zeigen nur die häufigste Entwicklung, natürlich können sich Sprachen auch in die entgegengesetzte Richtung entwickeln.

Exkurs 2: Wozu gehört Deutsch?

Vielleicht habt ihr es schon geahnt: Deutsch ist das beste Beispiel dafür, dass sich nicht alle Sprachen in dieses Schema hineinpressen lassen. Ist Deutsch isolierend, agglutinierend oder flektierend? Die Antwort lautet ja *g*
Deutsch zeigt Eigenschaften von allen drei Typen. Ein gutes Beispiel dafür sind die deutschen Artikel, die isolierend und flektierend zugleich sind.
der, des, dem, den - Sie stehen isoliert vom Substantiv, tragen aber in sich drei Bedeutungen (Genus, Fall, Anzahl).

Erläuterungen:

Genus - ich habe absichtlich das Fachwort gewählt, da aus dem Wort 'Geschlecht' nicht hervorgeht, ob es sich um die grammatikalische Einheit (Genus) oder um die natürliche Relation (Sexus) handelt.

lexikalisch - In einem Wortschatz wird zwischen lexikalischen und grammatikalischen Morphemen (Wortbestandteilen) unterschieden. Lexikalische Morpheme sind zum Beispiel "spiel" oder "fern", also Morpheme die für sich alleine eine Bedeutung tragen. Grammatikalische Morpheme dagegen haben erst im Zusammenhang mit lexikalischen Morphemen einen "Sinn". Beispielsweise die Endung '-en' bei Verben oder die Artikel "der, die, das".

Endung - Der Einfachheit halber bleibe ich bei der Bezeichnung "Endung" und meine damit das Affix:
Affix - alles was so ans Wort drangepappt werden kann (also das was ich als Endung bezeichnet habe); sozusagen der Überbegriff
Suffix - das was ans Ende kommt
Präfix - vorne dran geheftet
Infix - in das Wort rein geschoben
Zirkumfix - drumherum

Thematische Rollen

Was sind Thematische Rollen? Nun, es ist eine Einteilung der Satzgegenstände, auf die unter anderem die Fälle aufbauen.
Es gibt in vielen Sätzen einen Handelnden:
Der Mann geht.
Andere sind wiederum die Behandelten:
Die Frau wiegt das Kind.

Das sind die beiden wichtigsten Thematischen Rollen. Wenn man etwas nachdenkt, kann man noch einige weitere finden. Wie viele das sind, darüber sind sich selbst Fachleute nicht einig.

Wie nun mit den Thematischen Rollen, vor allem den beiden oberen, umgegangen wird, ist von Sprache zu Sprache unterschiedlich. Man spricht (grob gesagt) von Akkusativsprachen (wie z. B. Deutsch), Ergativsprachen und Aktivsprachen. Es gibt noch mehr und auch „Mischungen“ zwischen diesen, aber das nur nebenbei.

Diese drei Sprachtypen setze ich mal in einen Vergleich (man kann ja auch etwas rumspielen und gucken, was noch möglich ist).

Der Mann geht. (Handelnder)
Die Frau wiegt das Kind. (Handelnde / Behandeltes)
Der Ball fällt. (Behandelter)

Akkusativsprache:
Der Mann-fall1 geht
Die Frau-fall1 wiegt das Kind-fall2
Der Ball-fall1 fällt

Ergativsprache:
Der Mann-fall1 geht
Die Frau-fall2 wiegt das Kind-fall1
Der Ball-fall1 fällt

Dadurch, dass hier ein "verdrehtes Rollenverständnis" zugrunde liegt, als bei Akkusativsprachen (wie eben das Deutsche), wird es schon recht schwer, das nachzuvollziehen. Weiter oben habe ich schon ein Beispiel gegeben, wie das in etwa funktioniert.
Und wenn man Konjunktionen betrachtet (wie etwa "und"), kann man die Ergativsprachen noch einmal unterteilen:
A haut B, und schlägt C.
Für uns ist klar, dass A C schlägt. Bei den Ergativsprachen steht aber B im "wichtigen Kasus", womit bei konsequenten Ergativsprachen B C schlägt und nicht A.
Bei rollendominierten Ergativsprachen richtet sich das aber nicht nach dem Kasus, sondern nach der Rolle. In diesem Fall läuft das genauso wie bei uns, A schlägt C.

Aktivsprache:
Der Mann-fall1 geht
Die Frau-fall1 wiegt das Kind-fall2
Der Ball-fall2 fällt

Anmerkung:
Das ist jetzt mit fiktiven Fällen gekennzeichnet, dass es aber auch ohne Fälle geht, sieht man am Englischen (auch eine Akkusativsprache), wo die Rollen durch den Satzaufbau zu erkennen sind.


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